Darmgesundheit, Stress und Bakterien

shutterstock_389522509Sprichwörtlich ist der Satz, dass Stress auf den Magen schlägt. Es ist auch tatsächlich so, dass Stress einen negativen Einfluss auf die Verdauungsorgane ausüben kann. Besonders Dauerstress kann schädliche Auswirkungen auf den ganzen Körper haben. Die permanente Stressbelastung führt zu Entzündungen, die Magengeschwüre, entzündliche Darmerkrankungen, Immunschwäche, ja sogar Herzinfarkte hervorrufen können.

Man schätzt, dass sich jeder vierte Mensch ab 15 Jahren enorm gestresst fühlt. Dabei leiden die betroffenen Personen unter Müdigkeit, Ängsten, Hautunreinheiten, häufigen Infekten, Übergewicht und vieles andere mehr.

Oft sind aber nicht nur die alltäglichen Belastungen schuld daran. Die Ursache ist häufig im Darm zu finden. Mit seinen Billionen nützlichen Bakterien ist der Darm nicht nur für die Nahrungsverwertung zuständig. Der Darm steuert unter anderem den Stoffwechsel, die Bildung von Vitaminen, Enzymen, Hormonen und Nährstoffen. Er ist ebenso für die Immunabwehr verantwortlich.

Einige Wahrheiten über den Darm zeigen, wie groß sein Einfluss auf die Gesundheit ist:

  1. Medizinische relevante Probiotika reduzieren Autoimmunreaktionen
  2. Medizinisch relevante Probiotika, die während der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr geegben werden, reduzieren das Auftreten von allergischen Erkrankungen
  3. Die Veränderung der mütterlichen Darmflora während Schwangerschaft und Stillzeit kann einen direkten Einfluss auf die Gesundheit des Kindes haben
  4. Der Darm als Hormonfabrik ist ein … neuer Forschungsfokus, der bahnbrechende Veränderungen bei der Therapie … von Diabetes und Adipositas verspricht.
  5. Entzündungen führen zu einem Absterben von Darmbakterien.
  6. Antibiotika reduzieren nicht nur die Gesamtbakterienzahl im Darm sondern auch ihre Vielfalt.
  7. Antibiotika führen zur Entzündung der Darmschleimhaut, reduzieren die Immunleistung und die Nährstoffversorgung der Zellen.
  8. Darmbakterien können Übergewicht begünstigen, dicke Menschen haben eine andere Darmflora als dünne.
Die Darmflora wird nicht nur durch die Anwendung von Antibiotika zerstört. Auch begünstigen der häufige Gebrauch von Abführmitteln und Fehlernährung die Zerstörung der Darmflora. So entstehen beim Verzehr von viel Fett  und Eiweiß vermehrt Fäulnisbakterien. Dies kann zu Völlegefühl führen. Beim Verzehr von zu viel Zucker bilden sich Gärungskeime. Folge davon sind Blähungen und Sodbrennen.
Wenn man erfahren möchte, was im eigenen Darm vor sich geht, kann man eine gezielte Stuhlanalytik in spezialisierten Laboren durchführen lassen. Dabei werden folgende Faktoren ermittelt:
        • Zusammensetzung der Darmflora
        • Veränderungen der Darmschleimhaut
        • Vorhandensein von Pilzen
        • Entzündungsmarker
In einem weiteren Schritt wird geprüft, ob alle Nahrungsbestandteile auch tatsächlich aufgespalten, beziehungsweise aufgenommen werden können.
Wichtig für die Untersuchung des Einflusses von Stress auf die Darmgesundheit ist auch die Betrachtung der Darm-Hirn-Achse. Die Messung verschiedener Entzündungsparameter kann darüber Auskunft geben, ob Stress den Darm bereits angegriffen hat. Vielfach kommt es dann dazu, dass man sich in einer Entzündungskaskade befindet.
Generell gilt, das beste Mittel gegen Stress ist ein gut funktionierender Darm. Die Funktionsachse zwischen Darm und Gehirn entscheidet, ob wir hohe Belastungen gut verarbeiten können oder ob sie uns krank machen. Andersherum bedeutet dies, dass die Zusammensetzung unserer Darmbakterien Einfluss auf unsere Stimmung und Konzentrationsfähigkeit hat.
Es gibt heute sehr gute therapeutische Möglichkeiten, den Darm zu sanieren und gesund zu erhalten. Voraussetzung ist eine Darmuntersuchung, die in unserer Praxis veranlasst werden kann.
Nutzen Sie diese Möglichkeit!
Literaturangaben
A. Frauwallner “ Das metabolische Syndrom als Ergebnis einer Verschiebung der Mikrobiota“ Berlin,Sept. 2016
Voghef-Mehrabany E. et al. Nutrition 2014, 30, 430 S
Panduru 2014
Fernandez L. et al. 2012 The human milk microbiota

  2 comments for “Darmgesundheit, Stress und Bakterien

  1. März 20, 2019 at 2:24 pm

    Über die Bauchschmerzen beschwert sich der Vater. Mir scheint, es hängt von den Nerven ab. Aber vor Darmbakterien habe ich schon Angst bekommen. Vielleicht wäre eine Darmuntersuchung sinnvoll. Recht danke schön für den Beitrag!

    • Dr. Herzberg
      März 20, 2019 at 3:03 pm

      Hallo Helga, vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie schreiben, dass Ihr Vater über Bauchschmerzen klagt. Das kann natürlich viele verschiedene Ursachen haben. Der Darm kann dabei eine gewisse Rolle spielen. Die Palette reicht von entzündlichen Darmerkrankungen, Verdauungsbeschwerden, Blähungen und anderen. Bei Bauchschmerzen muss auch die Wirbelsäule mit in Betracht ziehen. Schmerzen im unteren Rücken können durchaus in den Bauch ausstrahlen. Ja, und psychische Probleme haben Sie ja bereits angesprochen. Eine Darmuntersuchung ist in jedem Fall anzuraten. Dies sollte durchaus auch eine Darmspiegelung einschließen, aber auch die Bestimmung von Entzündungsparametern und eine Untersuchung der Darmflora können Aufschluss über die Ursache der Beschwerden Ihres Vaters bringen.In jedem Fall möchte ich Ihnen raten, einen Arzt aufzusuchen, um die Beschwerden abklären zu lassen.

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