Der Einfluss der Darmflora auf das Körpergewicht

Übergewicht kann viele Ursachen haben, wie zum Beispiel:

  • das Essverhalten; so trägt der üppige Lebensstil in den hochentwickelten Industrieländern dazu bei, dass mehr Nahrungsmittel aufgenommen werden als zur Deckung des Energiebedarfs notwendig sind. Im Zusammenhang damit steht auch die oftmals falsche Zusammensetzung der Nahrung.
  • Mangelnde körperliche Bewegung sorgt zum anderen dafür, dass zu viel aufgenommene Nahrung nicht verwertet werden kann und letztendlich in den Fettdepots gespeichert wird.
  • psychische Faktoren wie Angst und Stress können zur Entstehung von Übergewicht führen.
  • Häufig spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Dabei ist entscheidend, dass der Grundumsatz vermutlich erblich festgelegt ist. Somit werden von betroffenen Menschen in Ruhe kaum Kalorien verbraucht und sie nehmen schneller zu.
  • Verschiedene Medikamente steigern den Appetit und können so zu einem erhöhten Körpergewicht führen. Beispiele für solche Medikamente sind Glukokortikoide, Antibabaypille, Antidiabetike, Antidepressiva u.a.
  • Hormonelle Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion oder das Cushing-Syndrom können für die Zunahme des Körpergewichts verantwortlich sein.
  • Weiterhin bedingen Schlafmangel, lange Bettlägerigkeit, Schwangerschaft, Nikotinverzischt u.a. eine positive Energiebalance und können so zu Übergewicht führen.

Unterschätzt für die Entstehung von Übergewicht ist leider immer noch die Zusammensetzung der Darmflora, die, wie nachfolgend beschrieben, nicht nur das Körpergewicht beeinflusst, sondern für viele weitere Funktionen verantwortlich ist.

Als Darmflora bzw. Mikrobiota bezeichnet man die Gesamtheit der Mikroorganismen, die den Darm besiedeln. Sie ist von großer Bedeutung für den Wirtsorganismus Mensch. Die Darmbakterien sind nicht nur in der Lage , die Nahrung zu verwerten. Sie haben weitere wichtige Funktionen:

  • sie stimulieren das Immunsystem
  • sie unterstützen die Vitaminversorgung, z.B. durch Synthese der Vitamine B1, B2, B6, B12 und K
  • sie können schwer verdauliche Kohlenhydrate oder Ballaststoffe abbauen
  • sie produzieren kurzkettige Fettsäuren, wie Essigsäure oder Buttersäure, die wichtig für ein gesundes Darmmilieu sind
  • sie bekämpfen Entzündungen; besonders Butyrat wirkt entzündungshemmend und schützt die Schleimhaut des Darms
  • sie fördern die Mobilität über kurzkettige Fettsäuren
  • sie entgiften den Darm von Fremdstoffen
  • sie haben Einfluss auf die Gewichtsentwicklung

 

Für die Entwicklung von Übergewicht ist wichtig, dass sich etwa 90% der Darmbakterien zwei großen Gruppen zuordnen lassen.

Das eine ist die Gruppe der Firmicuten. Sie können besonders Ballaststoffe und Kohlenhydrate verwerten. Dabei entstehen Zucker und kurzkettige Fettsäuren. Diese können vom Körper aufgenommen werden, wobei sie zu Fett verstoffwechselt werden. Demnach entscheidet ein hoher Anteil an Firmicuten im Darm darüber, wie viele Kalorien der Körper aufnimmt und wie sich das Körpergewicht entwickelt. Bei Aufnahme der gleichen Nahrungsmenge können bei Menschen mit unterschiedlicher Darmflora, unterschiedliche Mengen Kalorien aufgenommen werden.

Das zweite ist die Gruppe der Bacteroidetes. Sie vermehren sich bei einer kohlenhydratreduzierten Diät und tragen so zu einer verminderten Energieaufnahme über die zugeführte Nahrung bei.

Welche Möglichkeiten haben wir, um auf das Verhältnis von Firmicuten und Bacteroidetes Einfluss zu nehmen?

Das Verhältnis von Firmicuten zu Bacteroidetes lässt sich über die Gabe von speziellen Prä- und Probiotika beeinflussen. Auf diese Weise kann man einer Gewichtszunahme nachhaltig entgegenwirken.

Als Fazit gilt:

Die Zusammensetzung der Darmbakterien entscheidet mit über das Körpergewicht. Darmbakterien können Übergewicht begünstigen.

Dicke Menschen haben eine andere Darmflora als dünne.

Die Dickmacherbakterien sind die bereits erwähnten Firmicuten, die besonders effizient an sich unverdauliche Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate spalten. Die dabei entstehenden kurzkettigen Kohlenhydrate werden zu Zucker abgebaut und stehen für „schlechte Zeiten“ zur Verfügung. Folge davon ist, dass die Fettdepots wachsen. Bacteroidetes dagegen sind in der Lage Kohlenhydrate zu verkapseln und mit dem Stuhl auszuscheiden. Der Glucosegehalt normalisiert sich.

Was ist zu tun?

Gegen die Dickmacherbakterien, den Firmicuten, kann man Probiotika einnehmen, die reich an Bacteroidetes sind. Damit wird die Darmflora gezielt verändert.

Zum „Anfüttern“ der Schlankmacher, den Bacteroidetes kann    man    Probiotika einnehmen.

„Präbiotoka sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile, die ihren Wirt günstig beeinflussen, indem sie das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder mehrerer Bakterienarten im Dickdarm gezielt anregen ….“ (Gibson und Roberfroid, 1995)

Präbiotika an sich sind Ballaststoffe, aber nicht alle Ballaststoffe sind Präbiotika. Der Unterschied besteht darin, dass Präbiotika fermentierbar sind.

Durch die Fermentation können die Präbiotika

  • die Biomasse (Stuhlmenge) erhöhen
  • die Produktion kurzkettiger Fettsäuren steigern (entzündungshemmend)
  • Energie für die Dickdarmzellen bereit stellen
  • zum Wachstum der Bifidobakterien und Lactobazillen beitragen
  • den pH-Wert des Dickdarms absenken
  • die Schleimbildung stimulieren

Potentielle Präbiotika sind: resistente Stärke, Oligodextrane, Isomalto-Oligosaccharide, Zuckeralkohole, Pektine, Mannan Oligosaccharide, Lactosucrose, Lactoferrin-Peptide, Gluco-Oligosaccharide…..

Mit gezielter Therapie mittels Prä- und Probiotika kann die Darmflora verändert und das Körpergewicht reduziert werden. Voraussetzung ist die Analyse der Darmflora, besonders des Firmicuten-Bacteroidetes-Verhältnisses.

Was sollten sie tun, wenn sie unter Übergewicht leiden?

Fragen Sie nach dem Firmicuten-Test, den auch ich in meiner Praxis anbiete!

Die Abgabe einer Stuhlprobe wird zur Analyse benötigt, wobei auch Entzündungsparameter bestimmt werden können. Wenn Sie zu den Patienten gehören, die ein gestörtes Firmicuten-Bacteroidetes-Verhältnis haben, kann mit entsprechenden Darmbakterien und Präbiotika behandelt werden.

Diese Therapie sollte zur Erzielung einer Nachhaltigkeit mind. 6 Monate durchgeführt werden. Unterstützend wirken Bewegung und eine Nahrungsumstellung.

Zusammenfassung

Übergewicht kann durch Überwiegen von sogenannten Dickmacherbakterien, den Firmicuten gegenüber den Schlankmacherbakterien, den Bacteroidetes mit verursacht sein. Das Ungleichgewicht kann durch eine Laboruntersuchung des Stuhls nachgewiesen werden. Ist ein derartiges Ungleichgewicht vorhanden, kann es über Prä- und Probiotika im Zusammenspiel mit einer kohlenhydratreduzierten Kost nachhaltig verändert werden. Die Patienten nehmen ab, vor allem bei gleichzeitiger moderater Bewegung.

 

 

 

  7 comments for “Der Einfluss der Darmflora auf das Körpergewicht

  1. Stefan Röhnbach
    September 26, 2017 at 8:04 pm

    Guten Dank Frau Dr. Herzberg,

    vielen Dank für den interessanten Beitrag. Was mich verunsichert ist die Aussage, dass Übergewicht durch das Überwiegen von Firmicuten gegenüber Bacteroidetes mit verursacht wird, andererseits aber die angebotenen Probiotika sich allesamt aus Milchsäurebakterien aus dem Firmicuten Stamm zusammensetzen. Birgt eine Probiotika Einnahme bei einem normalgewichtigen oder schlanken Menschen mit ausgewogener Darmflora infolgedessen nicht eher die Gefahr einer Verschiebung zugunsten der Firmicuten und der Verdrängung der natürlich im Darm vorkommenden Bacteroidetes?

    • Dr. Herzberg
      September 27, 2017 at 7:51 am

      Hallo Herr Röhnbach,

      vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich sehr gern beantworten möchte.

      Bei adipösen Patienten mit einem diätresisten Übergewicht, kommt es zu einer Verschiebung der Frimicuten-Bacteroidetes Ratio. Dabei ist es wichtig, solche Bakterienstämme einzunehmen, die die aggressiv ballaststoffspaltenden Firmicuten zurückzudrängen und so auf ein optimiertes Verhältnis zwischen Firmicuten und Bacteroideten hinarbeiten. Mit den in OmniBioTic Metabolic vorhandenen Firmicutenstämmen aus der Gruppe der Lactobacillen, einem Lactococcus und einem Enterococcus Stamm gelingt gerade dies.
      Bei gesunden schlanken Menschen sollte in der Regel ein gutes Verhältnis zwischen Firmicuten und Bacteroidetes vorliegen. Die Einnahme dieses Präparates ist demzufolge auch nicht nötig.

      Herzlichen Dank für Ihr Interesse,

      Dr. Edeltraut Herzberg

      • Stefan Röhnbach
        September 28, 2017 at 3:47 pm

        Herzlichen Dank! In keinem der online einsehbaren wissenschaftlichen Beiträge, die ich zu diesem Thema finden konnte, werden die aggressiv ballaststoffspaltenden Firmicuten genauer bezeichnet, sondern als Firmicuten verallgemeinert, das hatte mich sehr verunsichert. Es ist gut zu wissen, dass es sich bei den in probiotischen Produkten enthaltenen Stämmen nicht um genau diese Art Firmicuten handelt, Ihre Antwort ist daher sehr beruhigend.

  2. Gerda Wellems
    Januar 27, 2018 at 11:46 am

    Sehr geehrte Damen und Herren ,
    Vielen Dank für diesen informativen auch für Laien aufschlussreichen Bericht
    Mein Mann ist übergewichtig wir essen ausgesprochen gesund seit 2 Wochen deutlich kohlenhydratreduziert und auch auf unser bewegungsausmass abgestimmte Mengen er bewegte sich genug und nahm trotz all der Bemühungen jetzt schon über 1 Jahr, kein Gramm ab:( wir machten stuhldiagnostik da ich mir schon längere Zeit Gedanken machte warum das so ist und heraus kam eine deutliches Ungleichgewicht der beiden Stämme mit Überschuss an firmicuten jetzt nimmt er präebiotika und spfelpektin bin gespannt was sich tutaber wie man sieht ist in allen Bereichen Balance gefragt

    • Dr. Herzberg
      Januar 29, 2018 at 7:35 am

      Sehr geehrte Frau Wellems,
      vielen Dank, dass Sie mir über die Geschichte Ihres Mannes erzählt haben. Natürlich ist es ein längerer Prozess, bis das Firmicuten/Bacteriodetes-Verhältnis wieder in der Normbereich kommt. Das ist jedoch die Voraussetzung, um einen langfristigen Erfolg zu erhalten. Die Ernährungsumstellung ist ein weiterer wichtiger Schritt. Ich empfehle Ihnen die LOGI-Kost nach Dr. Worm. Mehr können Sie unter folgendem Link erfahren:http://www.logi-methode.de/136.html. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir über die Erfolge Ihres Mannes weitere Informationen geben.

  3. Jenny Winand
    Februar 11, 2018 at 7:12 pm

    Guten Abend Frau Dr. Herzberg,
    wie schon ein Vorredner sagte sind die beiden Gruppen nur sehr verallgemeinert zu finden. Ich leide seit letztem Jahr unter einer Dysbiose und habe entsprechend eine Übersicht über verschiedene Bakterien Arten und ihre Anzahl in meinem Darm vorliegen. Kann ich daran auch erkennen wie das Verhältnis ist?(Aber dafür müsste ich ja genauere Bezeichnungen wissen 😉 ) Ich habe bereits eine Therapie mit den 3 Symbioflor Mitteln hinter mir und nehme aktuell Probiotika sowie Präbiotika in Kapselform. Bis dato war an abnehmen im Grunde nicht zu denken, egal was ich versucht habe. Ich hoffe dass sich das das jetzt durch die Pro und Präbiotika Kombination zum positiven wendet.
    Was für einen enormen Einfluss diese Bakterien haben ist immer wieder interessant!
    Freundliche Grüße,
    Jenny Winand

    • Dr. Herzberg
      Mai 9, 2018 at 7:33 am

      Hallo Frau Winand,
      als Laie können Sie das leider nicht erkennen. Ich empfehle Ihnen deshalb, direkt das Verhältnis bestimmen zu lassen. Entsprechende Tests führen viele Labors durch, auch Ihr Arzt wird Sie diesbezüglich beraten können. Die Firma Allergosan hat für das Mißverhältnis zwischen Firmicuten und Bacteroidetes ein spezielles Präparat mit dem Namen OMNI-Biotic metabolic entwickelt. Wenn Sie weitere Fragen haben, schicken Sie mir bitte eine Mail.
      Herzliche Grüße
      Dr. Edeltraut Herzberg

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