Warum Stress krankmacht

Unter Stress, ist dabei jede Art von Belastung zu verstehen, die den Organismus zu einer Anpassungsreaktion zwingt. Es spielt  keine Rolle, ob die Belastung positiv ist, wenn man zum Beispiel einem Hobby nachgeht. Dann sprechen wir von positivem Stress.

Anders dagegen ist es, wenn der Organismus dabei überfordert wird. Das kann auch bei sportlichen Aktivitäten der Fall sein. Leistungssport ist oft mit einer Überforderung verbunden. Trainingsausfall bei Profisportlern und ein zu früher Einstieg in das Wettkampfgeschehen führen zu negativem Stress.

Es gibt viele Situationen, in denen das Maß des Normalen überschritten wird. Sei es die schwere Krankheit des Kindes, oder berufliche Probleme die ständig unter Zeitdruck gelöst werden müssen.
Stress kann sich als akuten Stress,  als episodische akuten Stress und schließlich als  chronischen Stress äußern.

Wie unterscheiden sich diese Formen der Stressreaktion?

Der akute Stress kann in geringer Ausprägung anregend, stimulierend, und aktivierend sein, wobei die Funktion aller Sinne gesteigert wird. Dabei kann schon mal das reale Zeitgefühl verloren gehen.  Der episodische akute Stress betrifft Menschen unter ständigem Zeitdruck. Diese Menschen sind teils aggressiv, angespannt und auch ängstlich. Sie leiden unter anhaltenden Spannungskopfschmerz, Brustschmerzen und Bluthochdruck bis hin zu manifesten Herzerkrankungen.

Der chronische Stress dagegen lähmt die mentale und körperliche Leistungsfähigkeit und verändert auch das soziale Verhalten. Diese Menschen laufen Gefahr Suizid zu begehen. Das Schmerzempfinden nimmt im Gegensatz zum akuten Stress zu, auch Gewaltausbrüche sind möglich. In der Konsequenz kommt es zu Herzkomplikationen, Schlaganfällen und die Entstehung von Krebs wird begünstigt.

Wenn der Körper unter Stress ist, gelangt diese Information über unsere Sinnesorgane an das Zwischenhirn. Auch bloße Gedanken oder Befürchtungen können eine Stressreaktion in Gang setzen.

Das Zwischenhirn trifft dann eine Entscheidung über das Ausmaß der Bedrohung und löst gegebenenfalls Alarm aus. Ist dies der Fall vermitteln Botenstoffe zwischen einzelnen Schaltstellen unseres Gehirns. Dabei werden Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft auf ein Maximum erhöht. Das für die Steuerung unbewusst ablaufender Körperfunktionen zuständige vegetative Nervensystem wird aktiviert und das Hormonsystem von Hypophyse und Nebennieren belebt.

Bei der Aktivierung des Hormonsystems werden die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol freigesetzt. Dadurch werden verschiedene Organe in Alarmbereitschaft versetzt: Die Spannung von Skelett- und Gefäßmuskulatur wird erhöht, Blutdruck und Puls steigen, Blutzucker und Fettsäuren als Energielieferanten werden bereitgestellt, die Blutgerinnung wird aktiviert, und das Gehirn erhält mehr Sauerstoff. Selbst registrieren wir, dass wir dabei hellwach sind. Gleichzeitig werden nicht lebensnotwendige Körpervorgänge gedrosselt. Das betrifft u.a. die Verdauung und das Immunsystem. Auch Funktionen unseres Gehirns, die bei der Bewältigung der aktuellen Situation nicht benötigt werden, werden abgeschaltet. Der Körper ist jetzt zu Höchstleistungen bereit.

Nach dieser Alarm- oder auch Aktivierungsphase läuft der Körper mit voller Kraft, bis die Stresssituation vorbei ist oder die Energiereserven verbraucht wurden. Anschließend folgt die Erholungsphase. Doch nur wenn die Stressreaktion vollständig ablaufen konnte, kann man die Erholungsphase entspannt genießen und neue Kraft für künftige Herausforderungen sammeln.

Die Stressreaktionen des menschlichen Körpers werden durch das vegetative, bzw. autonomes Nervensystem gesteuert. Das vegetative Nervensystem hat zwei entgegengesetzt agierende Anteile. Der erste ist der Sympathikus, der für die Aktivierung von Körpervorgängen verantwortlich ist. Der zweite Teil ist der Parasympathikus, der eine entspannende Wirkung hat. Beide Anteile des vegetativen Nervensystems sollten unter Normalbedingungen im Gleichgewicht sein, ähnlich einer waagerecht gestellten Wippe. Dann sprechen wir auch von einem Zustand, der weitestgehend stressfrei ist. Der Sympathikus steuert die Aktivitätsvorgänge, die für das Kampf-Fluchtverhalten ( zum Beispiel, wenn in der Urzeit ein Tiger auf den Urmenschen zurennt) nötig sind. Er bewirkt unter Belastung eine Leistungssteigerung des Herzens, die Weitstellung der Bronchien, sowie Veränderungen im Gefäßsystem damit ausreichend Nährstoffe über das Blut zu den Arbeitsmuskeln transportiert werden können.

Der Organismus reagiert auf jede Stresssituation mit einer entsprechenden Reaktion.

Insbesondere das freigestzte Cortisol kann unter Dauerstress zu Erkrankungen wie Diabetes, Entzündungsreaktionen, Bluthochdruck, Adipositas und Demenz führen.

Die im Stresszustand benötigte Energie wird durch die Tätigkeit der Mitochondrien in unseren Zellen bereitgestellt. Durch Verwertung von Sauerstoff wird ATP bereitgestellt. Dies ist eine sehr energiereiche Verbindung, die für sämtliche Tätigkeiten im Körper notwendig ist und wie schon gezeigt, unter Stress besonders viel davon.

Wenn die Mitochondrien nicht ausreichend Energie produzieren, kann der Körper auch nicht mit Stress fertig werden. Daraus folgt, dass es sehr wichtig ist, die Funktion der Mitochondrien zu gewährleisten.Fehlfunktionen von Mitochondrien haben riesige Auswirkungen auf den Organismus haben.
Unter Stress kommt es dazu, dass besonders viel Energie benötigt wird. Wenn der Körper nach der Aktivierungsphase und Beendigung des Stressgeschehens in die Entspannungsphase kommt, wird die Energieproduktion auf normales Niveau zurückgefahren. Beim Dauerstress schaffen es die Mitochondrien nicht mehr ausreichende Menge Energie bereitzustellen. Die Zellen kommen in ein Energiedefizit. Damit können viele Stoffwechselvorgänge nicht mehr normal ablaufen. Im einfachsten Fall kann dies zu Burnout führen.

Möglichkeiten zur Reduktion von negativem Stress:

Zum ersten ist es sehr wichtig, Entspannung zu lernen und anzuwenden
Zu den bekannten Entspannungstechniken gehören autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson (PMS), Meditation, Yoga und andere. Die bereits erwähnten Entspannungstechniken helfen auch, das Schlafverhalten zu optimieren.
Entspannungsmaßnahmen müssen bewusst in den Tagesablauf integriert werden. Die Einplanung von Pausen dient der Entspannung, bietet eine kurze Ablenkung, hilft Kraft zu sammeln für die nächsten Aufgaben.

Ein weiterer Weg zur Stressvermeidung besteht darin persönliche zu Überforderung vermeiden.
Besonders sind davon Personen mit dem sogenannten „Helfersyndrom“ betroffen. Oftmals überschätzen sie ihre Möglichkeiten. Öfter „nein“ sagen, ist eine erste Maßnahme, um Überforderung zu vermeiden.

In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, zu überprüfen, wie oft man sich durch Telefonate, E-Mails und andere digitale Medien, die „sehr wichtig“ sind, ablenken oder gar stören, lässt. Eine tolle Empfehlung ist ein Buch von Franziska Kühne, über die Bedrohung durch digitale Medien.

Im Übrigen, wer sich selbst überfordert, kann auch nicht für andere da sein. Mit sich selbst achtsam umgehen, etwas für sich selbst tun, ist ganz wichtig.
Wer dies nicht (mehr) kann, sollte sich Hilfe suchen in einem Achtsamkeitstraining.

Auch gilt es, die vielen durch Beruf und Familie bestehenden objektive Belastungen zu reduzieren

Bestimmte Dinge muss man einfach hinnehmen. Dabei sollte man optimistisch bleiben und   die Belastung nicht als solche sehen. Positiv auf die Dinge des Lebens zu schauen ist sehr hilfreich. Es ist erstaunlich, welche Wirkung es hat, wenn man mit Freude an alle Tätigkeiten geht.

Gestresste Personen leben in Angst, sind oft schüchtern und haben ein schwaches Selbstwertgefühl. Das Selbstwertgefühl kann man nur steigern, wenn man es lernt, seine Angst zu bewältigen. Dazu gehört auch, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben.

Ein wichtiger Weg zur Stressvermeidung ist die Förderung von Bewegung. Dass Bewegung förderlich in vielen Bereichen ist, ist sehr lange bekannt. Sie ist aber auch ein entscheidender Weg, Stress abzubauen und dies auf allen Ebenen.
Bewegung hat einen positiven Einfluss auf die Stimmung und Schlafqualität.
Durch Bewegung wird die Atmung vertieft, die Kreislaufstabilität wird verbessert und die Qualität der Erholung des Organismus erhöht.
Beachten sollte man jedoch, dass wir hier von Bewegung als Ausdauerleistung sprechen, die nicht übertrieben werden sollte. Das Maß an Bewegung ist für jeden individuell. Bitte darauf achten, nicht in einen Leistungsdruck zu verfallen, der wieder neuen Stress bedingt.
Zur Vermeidung von Stress sind auch die Ernährung und die Versorgung mit Mikronährstoffen wichtig, weil dadurch die Stresshormone in ihrer Aktivität beeinflusst werden können. Dazu mehr in einer der nächsten Folgen.

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